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Hoher Keller im Portrait

„Modellgebiet Naturschutz und Waldnutzung“

Ausgedehnte, buchenreiche Laub- und Mischwälder bestimmen auch das Bild des mittleren und südlichen Kellerwaldes. Hier sind aufgrund basenhaltiger Standorte anspruchsvolle, teils geophytenreiche Wälder vom Typ ‚Waldmeister-Buchenwald’ (und verwandte Gesellschaften) recht verbreitet und flächenhaft ausgebildet. In eingelagerten Devonkalk-Partien am Nordostrand des südlichen Projektgebietes treten im Durchbruch des mittleren Urfftales sogar Orchideen- und Platterbsen-Buchenwälder auf.  Dazu findet man Übergänge zu Eichen-Hainbuchenwäldern und kleinflächig eingelagerten Kalkfelsen und Kalkquellen. Die Talschlucht ist durch ihren dynamisch-naturnahen Bachlauf und ihre vielfältigen, teils wildromantisch anmutenden Bachauen und Feuchtwälder verschiedener Stadien gekennzeichnet. Die höchste Erhebung im Süden des Naturparkes markiert der große, geschlossene Laubwald-Komplex des namensgebenden „Hohen Kellers“.  Waldgerstenreiche Buchenwälder an den Unterhängen werden von montanen Hainsimsen-Buchenwäldern abgelöst. Ein geologisch-geomorphologisch markanter Quarzitkamm in Gipfellage, der „Wüstegarten“, verleiht mit seinen Block- und Klippenbildungen dem Bergmassiv ein eigentümliches Gepräge. Man trifft hier auf Waldgrenzstadien sowie Zwergstrauchfluren und Sauerhumusrasen, wertvolle Waldquellen, Kleinmoore und langgestreckte Waldbachgründe.

Die Waldflächen des Waldkomplexes Hoher Keller befinden sich mit ca. 1800 ha z. E. als Staats-, Kommunal- und Körperschaftswald in der öffentlichen Hand. Ca. 1000 ha sind Privat- und Interessentenwälder. Im Hohen Keller hat die Laubwaldnutzung Vorrang. Nadelwälder nehmen mit ca. 30 % einen vergleichsweise geringen Anteil ein. Ebenfalls gering ist der Anteil an Grenzwirtschaftswäldern.

Entwicklung

Als dritter Baustein soll über das Naturschutzgroßprojekt auch die vielfach gewünschte Aufwertung des Hohen Kellers angegangen werden. Unter dem Leitmotto „Praxismodell moderner Waldbau und Naturschutz“ sollen vorbildhafte, naturgemäße und wirtschaftlich tragbare Waldnutzungsformen erprobt und etabliert werden. Neben der Einhaltung von flächigen Naturschutzparametern sollen vor allem auch auf den hochwertigen Sonderstandorten (wie Felsklippen, Waldmooren, Quellen und Bachgründen) Regenerations- und Biotopverbundmaßnahmen greifen. Somit dient der Hohe Keller als Anschauungs-Gegenstück mit forstwissenschaftlicher Begleitung zum Prozessschutzgebiet des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Parallel dazu wird ein eigenes Besucherlenkungs- und Präsentationskonzept angestrebt, welches über Waldbau- und Naturschutzprojekte informiert. Darin inbegriffen sein können Angebote zur Schulung und Weiterbildung sowie zur sanften Erholung und behutsamen Erschließung besonderer Sehenswürdigkeiten (Ringwallanlage, Aussichtsturm usw.). Im einzelnen stellen sich die Entwicklungsziele wie folgt dar:

  • Erhalt und Optimierung von Bruchwäldern und bachbegleitenden Erlenauwäldern; Renaturierung fehlbestockter Bereiche
  • Regeneration und Optimierung von Quellen und Fließgewässern
  • Erhalt und Regeneration von Felsklippen und Blockwäldern
  • Modellhafte Integration von Naturschutzaspekten in Wirtschaftswald
  • (Totholzanreicherung, Horstschutzzonen, Erhalt von Kleinbiotopen etc.)
  • Naturschutzkonforme Besucherlenkung zur Etablierung nachhaltiger Erholungsnutzung